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Menschlichkeit verteidigt

Graphic Documentary über Pater Richard Henkes erscheint zur Seligsprechung
Menschlichkeit verteidigt
Menschlichkeit verteidigt
© C. Steinfeld

»Auf der Lagerseite, wo ich arbeite, ist eine Epidemie ausgebrochen und damit sie nicht weiter um sich greift, sind wir gänzlich isoliert worden. Die Leute sterben in Massen, weil sie vollständig ausgehungert sind. Ein grauenhaftes Bild.« In seinen Briefen aus dem Konzentrationslager Dachau schreibt Pater Richard Henkes über die unmenschlichen Verhältnisse in dem Lager, in dem er durch seinen freiwilligen Krankendienst zu einem Märtyrer der Nächstenliebe wurde. Zu der Seligsprechung des Pallottinerpaters am 15. September im Limburger Dom gibt das Bistum Limburg eine „Graphic Documentary“ heraus. Der Titel lautet „Und wenn die Wahrheit mich vernichtet“. 

Für das Projekt konnten die Berliner Autoren und Illustratoren Alexandra Kardinar und Volker Schlecht gewonnen werden. Sie erzählen in der Graphic Documentary auf Grundlage historischer Geschehnisse und überlieferter Briefe eindrücklich den Lebensweg Henkes`. Die Autoren haben zudem eine Rahmenhandlung im Hier und Jetzt erfunden. Eine Graphic Documentary oder Graphic Novel ist eine eigenständige Literaturform, eine Art Comic für Erwachsene, welches sich vor allem durch seine Tiefe und Komplexität auszeichnet. 

© Graphic: DrushbaPankow

Henkes wurde für Viele zu Christus

Die Idee zu dem Projekt war schnell geboren: „Als ich davon hörte, dass Pater Richard Henkes seliggesprochen wird, war mir sofort klar, dass wir einen Märtyrer der NS-Zeit unbedingt in einer unverbrauchten Sprache den Menschen von heute näherbringen müssen“, erklärt Martin Ramb vom Bistum die Idee dahinter. „Gerade auch für junge Menschen lässt sich so die Zeit des Nationalsozialismus und der kirchliche Widerstand von Einzelnen beispielhaft am Pallottinerpater Richard Henkes sehr anschaulich und emotional berührend erzählen“. 

Durch sein Zeugnis habe er im KZ Dachau ein Stück Menschlichkeit verteidigt. Gleichzeitig stehe Richard Henkes dafür, dass Weltgeschichte am Ende immer ganz konkret ist und ein Gesicht besitzt. „Henkes hat beeindruckend gezeigt, dass jeder und jede in der Zeit des Naziterrors auch anders hätte handeln können“, sagt Ramb über das Glaubens- und Lebenszeugnis Henkes‘. Für Martin Ramb ist Henkes „ein stiller Revolutionär der Barmherzigkeit, der vielen Typhuskranken zu Christus wurde, weil er bis in die letzte Konsequenz für sie da war.“

Richard Henkes, geboren 1900 in Ruppach-Goldhausen, sagte zu Zeiten des Nazi-Regimes, was nicht mehr gesagt werden durfte. Er wurde verhaftet und ins KZ Dachau deportiert. Als Ende 1944 im Lager eine Flecktyphus-Epidemie ausbrach, meldete er sich freiwillig für die Pflege der Kranken, infizierte sich und starb am 22. Februar 1945. 

Ab dem 15. September erhältlich

Die Graphic Documentary erscheint zur Seligsprechung des Pallottinerpaters am 15. September. Sie wird zur Seligsprechung beim Fest der Begegnung im Bischofsgarten erhältlich sein. Auch kann sie beim Verlag des Bischöflichen Ordinariats, im Pallotti-Verlag oder im Buchhandel bestellt werden. 

Ein  Interview zu dem Projekt der Graphic documentary können Sie hier nachlesen.