Kategorien &
Plattformen

Konfessionssensibel unterrichten

Das Thema "Konfessionelle Kooperationen" brennt Religionslehrern auf den Nägeln
Konfessionssensibel unterrichten
Konfessionssensibel unterrichten
© Reichwein/Bistum Limburg

Der Religionsunterricht steht vor besonderen Herausforderungen: Mit dem Thema „Konfessionelle Kooperationen“  haben die Veranstalter des ökumenischen Studientages für Religionslehrer am Mittwoch, 20. Februar, in Naurod in diesem Zusammenhang einen Nerv getroffen. Das große Interesse spricht jedenfalls für sich. Die rund 90 Teilnehmer, die zwar selbst am besten wissen, was im Schulalltag bereits praktiziert wird, bringen darüber hinaus eine Menge Fragen und viel Unterstützungsbedarf mit. Didaktische Bausteine und Impulse für einen  Religionsunterricht in konfessionell heterogenen Lerngruppen liefert der Religionspädagoge Professor Jan Woppowa vom Institut für katholische Theologie an der Universität Paderborn. Über die  Rahmenbedingungen, wie sie von den Kirchen gedacht sind, informieren Andreas von Erdmann, Dezernent Schule und Bildung im Bistum Limburg, und sein evangelisches Pendant, Pfarrer Stefan Knöll, Oberkirchenrat im Referat Schule und Religionsunterricht der  EKHN.

Schüler zu einem religiösen Standpunkt befähigen

Professor Woppowa will dazu ermutigen, Konfessionalität im Rückgriff auf die confessio im ursprünglichen und biblischen Sinn neu zu verstehen. Es gehe um persönliches Bekennen und Zeugnis von Menschen, die „etwas erfahren haben“, sagt er und gebraucht dafür den Begriff  konfessorisches Lernen. Das ist nach seinen Worten ein Lernen, das die Schüler individuell zu einem religiösen Standpunkt befähigt. Sein Appell, konfessionelle Differenzen nicht als defizitär aufzufassen, sondern als wechselseitige Bereicherung und Vervollständigung, wird am Nachmittag auch vom Schuldezernenten des  Bistums aufgegriffen. Die „sehr freundschaftlich“ mit den evangelischen Kirchen erarbeiteten Vereinbarungsentwürfe für konfessionell-kooperativen Religionsunterricht in Hessen und Rheinland-Pfalz seien nicht als „aus der Not geboren“, sondern als Bereicherung zu verstehen, sagt von Erdmann. Oberste Maxime sei es, dass Kinder ein von den beiden christlichen Kirchen gestalteten und verantworteten Unterricht erhielten. Es gelte dabei, „konfessionssensibel“ die großen Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, ohne Unterschiede einzuebnen.

Kluge Lösungen finden

Angesichts der stark rückläufigen Zahlen katholischer Schüler – in neun Bundesländern sind sie im einstelligen Prozentbereich – „müssen wir kluge Lösungen finden, um zukünftig den Religionsunterricht für die Gesellschaft und für das System Schule akzeptabel zu machen“, betont von Erdmann, wobei er großen Wert darauf legt, "dass die grundlegende Architektur von Religionsunterricht an Schulen nicht in Frage gestellt wird." Eine deutliche Absage erteilt er dem Unterricht im Klassenverband als Regelform. Gäste zuzulassen, ob mit einer anderen oder ohne Konfession, sei dagegen Sache der Lehrkraft. Überhaupt stellt sich der Dezernent mit klaren Worten an die Seite der Lehrer, äußert Verständnis für deren „Ungeduld“ und den Vorwurf der „Praxisferne“. Letztlich, so sein Appell, „hängt alles von Ihnen ab, wie Sie mit Kindern und Jugendlichen in Bildungskommunikation kommen." Wenn daraus an einer öffentlichen Schule Glaubenskommunikation werde, so sei das "ein Geschenk".

Konfessioneller Religionsunterricht in neuer Form

Dass es sich auch bei den angestrebten neuen Kooperationen um konfessionellen Unterricht handelt, nur eben „in einer besonderen Organisationsform“ – das unterstreicht Pfarrer Knöll in seinem Statement. „Der konfessionell-kooperative Unterricht entspricht Artikel 7, Absatz 3 des Grundgesetzes“, sagt er und stellt klar: "Wir entscheiden, was konfessioneller Religionsunterricht ist, nicht der Staat.". Die „in einem fruchtbaren Prozess“ vereinbarte neue Form erfordere eine besondere Didaktik, schließt sich Knöll seinem katholischen Kollegen an, der von der Notwendigkeit spricht, „den Universitäten in Sachen Ausbildung Dampf zu machen.“ Unisono formulieren beide auch ihren Respekt und ihre Dankbarkeit gegenüber den Religionslehrern. Sie leisteten einen entscheidenden Beitrag dazu, „wie gut wir in der säkularen Landschaft immer noch vertreten sind“, lobt von Erdmann, während der Oberkirchenrat die Bereitschaft der Lehrkräfte hervorhebt, „die Fragen der Kinder und Jugendlichen auszuhalten.“

Nach so viel Theorie hat die versammelte Lehrerschaft zum Abschluss Gelegenheit, aus der Praxis der Kollegen zu lernen: Angefangen bei einem Pilotprojekt für konfessionell-kooperativen Religionsunterricht an einem Frankfurter Gymnasium über die Methodik an einer Wiesbadener Berufsschule bis zur Schulpastoral.

© Reichwein/Bistum Limburg
© Reichwein/Bistum Limburg
© Thorsten Klug
© Reichwein/Bistum Limburg
© Reichwein/Bistum Limburg
© Reichwein/Bistum Limburg

Veranstalter

Religionspädagogisches Institut der EKKW und EKHN

Pädagogisches Zentrum der Bistümer im Lande Hessen

Amt für katholische Religionspädagogik Wiesbaden-Rheingau-Untertaunus

Amt für katholische Religionspädagogik Taunus