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"Beten stärkt das Vertrauen - in sich selbst, in andere und in die Welt"

Interview mit der Theologin Dr. Katharina Sauer zur Fastenaktion für Kinder
"Beten stärkt das Vertrauen - in sich selbst, in andere und in die Welt"
"Beten stärkt das Vertrauen - in sich selbst, in andere und in die Welt"
© Lanz/Bistum Limburg

Beten:  Verstaubt? Von vorgestern? Oder doch ziemlich cool? Als Ressource fürs Leben, als Plus fürs Leben? Der Fastenhirtenbrief des Limburger Bischofs Dr. Georg Bätzing dreht sich in diesem Jahr um das große Thema „Beten“. Auch Kinder sind in einer Begleitaktion eingeladen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie können dem Bischof schreiben, wie sie mit Gott sprechen oder ein Lieblingsgebet oder Bild einschicken. Dabei will die Aktion auch vermitteln, was Beten bedeutet und wie einfach es sein kann. Denn viele Familien beten nur selten oder gar nicht. Kindern tut Beten aber gut, sagt die Theologin Dr. Katharina Sauer. Sie leitet das Amt für Religionspädagogik in Montabaur. Im Interview erzählt sie, warum sie Kinder, Eltern und Großeltern ermutigen möchte, mal wieder zu beten.

Frage: Wenn Sie Kindern erklären, was „Beten“ ist, ganz allgemein, ohne Vorwissen, was sagen Sie?

Sauer: Das ist relativ einfach zu sagen: Sprechen mit Gott. Und es bedeutet für Kinder, dass jederzeit jemand da ist, der zuhört.

Frage: Sie vertreten die These, dass Beten gut ist für Kinder. Warum?

Sauer: Ja, Beten ist die grundlegendste Ausdrucksweise des Glaubens, gleichzeitig stärkt Beten das Vertrauen – in sich selbst, in andere und in die Welt. Auch unterstützt das Beten die Resilienz, die Widerstandsfähigkeit des Kindes. Durch das Gebet können Kinder die Erfahrung machen, dass sie selbst und jeder Mensch von Gott gewollt und geliebt ist, das ist ermutigend. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Beten immer eine freie Angelegenheit sein muss. Es muss dem Kind also freigestellt sein, ob es beten will.

Frage: Viele möchten vielleicht mit ihren Kindern beten, finden aber nicht den Anfang, oder wissen nicht, wie es geht oder wie sie es gut in den Alltag integrieren können. Haben Sie da einen guten Tipp?

Sauer: Das ist an sich nicht schwer. Eltern erinnern sich vielleicht an die Gebete der eigenen Kindheit, auch gibt es sehr schöne Gebete auf www.katholisch.de, wir selbst haben hier in unserer Bibliothek in Montabaur eine große Auswahl an Büchern und Materialien zum Thema, es gibt auch praktische Hilfsmittel wie Gebetswürfel. Wünschenswert ist das Einüben des freien Betens. Hierbei können Kinder Sorgen, Dank, Lob oder Klage loswerden. Das Kind kann mit „Guter Gott“ beginnen und von sich und seinem Tag erzählen. Vor Gott kann man alles bringen, jederzeit.

© Bistum Limburg

Frage: Freies Beten oder ein festes Tischgebet, ein festes Abendgebet?

Sauer: Beides. Aber es sollte auch nicht allzu starr sein, dann wird das Tischgebet nur noch runtergerattert. Das würde ich heute zum Beispiel auch mit meinen Kindern, die jetzt schon erwachsen sind, anders machen. Ich würde vielleicht eher mal ein freies oder ein neueres Gebet mit meinen Kindern sprechen. Sehr schön ist auch ein kleiner Segen morgens vor dem Kindergarten oder vor der Schule mitzugeben. Da es da ja eh schon stressig zugeht, braucht es nicht noch ein Extra-Zeitfenster: „Ich wünsche Dir einen schönen Tag, Gott beschütze und behüte Dich“.

Frage: Was macht es vielleicht auch einfacher für Kinder? Braucht es ein begleitendes Ritual?

Sauer: Nicht unbedingt, Rituale können jedoch helfen das Beten zu gestalten. Dabei finde ich das Kreuzzeichen schön, da es den Glauben in Gesten ausdrückt: Im Namen des Vaters, der die Welt erschaffen hat, der Gedanke hinter allem, des Sohnes, Jesus, der zu uns in die Mitte, in die Welt gekommen ist, und des Heiligen Geistes, der alles, auch uns mit seiner Liebe umfasst. Es ist das kürzeste Glaubensbekenntnis, das wir haben. Hier kommt der Glauben auf den Punkt.

Frage: Das klingt alles einfach, kann man denn überhaupt was falsch machen beim Beten.

Sauer: Überaschenderweise ja, man kann etwas falsch machen. Falsch wäre, wenn es ins Magische abgleiten würde. Gott ist kein Wunscherfüllungsautomat, kein Marionettenspieler. Dieser Eindruck soll so nicht entstehen. Es bleibt bei dem Satz: Gottes Wille geschehe, also geht es nur in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes. Gott belohnt und straft nicht. Die Perspektive ist vielmehr: Gott hat einen liebenden Blick auf mich, er liebt mich so, wie ich bin.

Frage: Der Sinn des Betens ist also….

Sauer: … in Beziehung kommen mit Gott, mit Jesus. Beten führt zu einer inneren Anbindung an Gott. Im Idealfall kann man die Liebe Gottes im Herzen spüren.

Frage: Haben Sie ein Lieblingsgebet?

Sauer: Nein, es sind viele. Das „Vaterunser“ ist das wichtigste Gebet, weil hier  unsere gesamte Glaubenstiefe zum Ausdruck kommt und weil wir dieses Gebet in Gemeinschaft beten können.

Ein gutes Beispiel für ein Gebet mit kleineren Kindern wäre meines Erachtens auch dieses kurzes Gebet – geschrieben von einer unserer Pastoralreferentinnen:

„Guter Gott,
wenn ich falle, halte mich.
wenn ich lache, freue dich.
wenn ich weine, tröste mich.
Amen.“

Hintergrund: Aktion für Kinder

Begleitend zum Fastenhirtenwort des Bischofs zum Thema „Beten“ hat der Bischof auch eine Aktion für Kinder gestartet. Kinder können ihre Lieblingsgebete, ihre selbst geschriebenen Gebete oder ein Bild zum Thema „Beten“ einschicken. Ihre Post können sie bis zum 10. April direkt an den Bischof schicken (Bischof von Limburg/ Domplatz 7/ 65549 Limburg) oder auch eine Mail an: beten@bistumbistumlimburglimburg.de.

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Postkarten zur Fastenaktion "Bete mit..."

Diese Postkarten können Sie ab sofort in der Pressestelle des Bistums kostenfrei bestellen.

Diese Postkarten können ab sofort in der Pressestelle des Bistums kostenfrei bestellt werden. Bitte schreiben Sie uns eine Email an info@bistumbistumlimburglimburg.de. Solange der Vorrat reicht.